ÖM U8/U10 von 17.-20. Mai 2007 in Mattersburg
Schach in jungem Alter
Eine Österreichische Meisterschaft im Schach für Kinder im Volksschulalter?Der ausrichtende Verein Schach-Ritter Mattersburg möchte vor allem in diesem Alter die Beschäftigung mit dem Denksport Schach fördern, damit sich die Mädchen und Jungs schon frühzeitig positive Eigenschaften angewöhnen können und mögen, deren Nützlichkeit man durch die raschen Rückmeldungen im Schach besonders leicht einsieht.
Schach als Hilfe fürs Leben
"Schach ist ein Kampf gegen die eigenen Schwächen", lautet einer der beiden Slogans der Schach-Ritter, wobei kluge Köpfe in fast jedem Jahrhundert auf die erzieherische Sinnhaftigkeit des Denkspiels, das vor kurzem auch in Österreich zum "Denksport" erhoben wurde, hinwiesen.Hoch bewertet haben das Schach Goethe, Leibnitz, Shaw, Heine, Voltair, Rousseau, Tolstoi, St. Zweig, Turgenjew, Puschkin, Dickens, Hemingway, Beethoven, Chopin, Prokofjew, sowie andere hervorragende Persönlichkeiten.
Krogius weist in seinem Buch "Psychologie im Schach" u.a. auf folgende Ansichten und Ergebnisse hin:
Sewastjanow: "Die Beschäftigung damit entwickelt das logische und schöpferische Denken, hält dazu an, Probleme zu analysieren und zu lösen - und all das kommt dem zukünftigen Spezialisten eines beliebigen Gebietes zugute."
Prof. Klaus: "Meiner Meinung nach ist es leichter, exaktes logisches Denken beim Schachspiel als mittels eines Lehrbuches der Logik zu lernen, wobei das Spielerische nicht mit unernster Unterhaltung verwechselt werden darf."
Krogius: "Schachspielen verlangt intensive und lang anhaltende Aufmerksamkeit. Man kann eine Partie ausgezeichnet anlegen, doch es genügt, die Konzentration nur wenige Sekunden erlahmen zu lassen, und schon sieht man sich um die Früchte der vorangegangenen Bemühungen gebracht."
Eine vergleichende Analyse (sowjetische Psychologen Djakow, Petrowski, Rudik) der Fähigkeiten von Schachspielern und Nichtschachspielern im Alter von 12 bis 16 Jahren ergab bereits in den 20ern des vorigen Jahrhunderts, dass die ersteren, was die Intensität der Aufmerksamkeit (insbesondere das Fehlen von Zerstreutheit), die Genauigkeit der Vorstellungskraft und die Gedächtnisleistung angeht, besser abschnitten.
Was noch faszinierender ist: nicht nur die Logik, sondern auch der Charakter kann vom Schach profitieren. Krogius: "Schach fördert die objektive, realistische Einschätzung zum Partner und zu sich selbst. Die Schachpartie läuft unter den Bedingungen einer scharfen, gegenseitigen Kritik. Jede Seite ist bemüht, Fehler in den Handlungen des Gegners aufzudecken und auszunutzen. Der Verlust ist die zwangsläufige Folge irgendeines eigenen Versehens. Irgend jemand die Schuld an der eigenen Niederlage zu geben, ist sinnlos. Daher regen Misserfolge objektiv zur kritischen Selbstanalyse an und werden folglich zu einem Mittel der Selbsterziehung."
Prof. Klaus: "Schach ist eine hervorragende Willensschulung; es verlangt Selbstbeherrschung und Härte gegen sich selbst."
Nicht dass damit der Eindruck entstehen soll, Schach mache aus Kindern sofort Engelchen, denn der Weg ist bekanntlich lang. Doch der Anfang ist gemacht, Schach kann nun als Hilfsmittel genutzt werden, für das Leben zu lernen.
Nerven
Die Besten der jüngsten Mädchen und Jungs aller Bundesländer feiern mit der ÖM nun ein großes Treffen. Es macht einerseits Freude dabei zu sein, andererseits werden bei somanchem Kind auch die Nerven einer größeren Prüfung unterzogen, sind doch nun die siegesgewohnten lokalen Stars jede Runde gegen starke Spielpartner anderer Bundesländer gefordert. Damit die Herausforderung des Dazulernens mehr zählt als das unbedingte Gewinnen, wird vom Ausrichter als besonderes Special das Thema "Angst vor dem Verlieren" samt Bewusstwerdung und Hinweisen, wie man dagegen vorgehen kann, forciert.Mattersburg
Als Austragungsort dient Mattersburg, wobei der erst im Sommer vorigen Jahres gegründete jugendfreundliche Verein Schach-Ritter Mattersburg den Großteil der Organisation übernahm. Der Verein hat einen Bilderbuchaufstieg hinter sich, denn obwohl die Kinder erst seit 1 1/2 Jahren trainieren, erreichten sie bei der LM der Jungs U8 bis U14 im März mit großem Abstand die meisten Medaillen und bewirkten einen Umsturz der Kräfteverhältnisse im Burgenland. Das Timing ist gut, denn damit nehmen bei der kommenden Heim-ÖM mit Lukas Gludovatz (U10) Maxi Fischer (U10) und Herbert Dienbauer (U8) erstmals auch Schach-Ritter teil, wodurch sich die Zuschauer mit den regionalen Helden vor Ort mitfreuen können.Als Austragungsstätte wurde das Cafe des bekannten Fußball-Erstligisten SV Mattersburg gewonnen, wodurch mitsamt des Besuches auf der Burg Forchtenstein als Highlight des Rahmenprogramms, die beiden Hauptattraktionen der Region eingebunden wurden.
Die meisten Kinder reisen mit ihren Eltern an, so dass neben dem Hotel-Restaurant Florianihof auch im Hotel-Restaurant Müllner im benachbarten Marz, in dem kürzlich das Finale der Schach-Staatsliga stattfand, Unterkünfte reserviert wurden.
Der Verein Schach-Ritter veranstaltet als wertvolle Ergänzung parallel zur ÖM U8/U10 ein Jugendopen der Alterskategorien U8-U14, bei denen sich regional beheimatete Kinder aller Spielstärken, also auch Einsteiger, sowie mitreisende Geschwister der ÖM-Teilnehmer mit spannenden Duellen und Erfahrungsschätzen bereichern können. Infos: www.softsurf.com/schachritter/veranstaltungen
Am weiteren Rahmenprogramm und der Homepage für Besucher und Schachinteressierte www.softsurf.com wird fleißig gearbeitet, so dass die österreichische Schach-Spitzenveranstaltung für Kinder im Ganzen unvergesslich bleiben sollte.