Mit ChessBase 9 eine Partie analysieren und kommentieren

Workshops von Gerald Berghöfer

Im Bericht zu ChessBase 9 habe ich einige Funktionen des umfangreichen Datenbankprogrammes erklärt und auch auf die Videos hingewiesen, durch welche man wichtige Bedienungselemente kennenlernt.

Diese Workshops sollen nicht noch einmal alles erklären (dazu ist es einfacher, die Videos anzusehen), sondern ein paar Verfahren anhand eines praktischen Beispieles bieten.

Nehmen wir eine eigene Partie, die mit Nebenvarianten und Kommentaren versehen werden soll.

Wie soll nun aber der "nur" fortgeschrittene Spieler sinnvolle "Profi"-Kommentare zustande bringen? Dazu ist einerseits nützlich, zu sehen, was gute Spieler spielten, und andererseits können auch Engines Bewertungen abgeben.

Workshop 1: Datenbank aus Meisterpartien erzeugen

Für Erstes dient der Zugriff auf eine große fertige Datenbank, die MEGA- oder BIG-Database von ChessBase. Je nach Wunsch lassen sich mit dem Filter zu einer Stellung z.B. nur Partien von Spielern über 2400 ELO-Punkten und/oder nur aktuelle Partien suchen. Da man öfter nur die besten Partien benötigt, legt man am besten gleich eine eigene Datenbank an, die man z.B. "IM" nennt.

Das geht so: Man legt über "Datei/Neu/Datenbank" eine neue Datenbank namens "IM" (oder einem anderen Namen) an. Diese Datenbank hat vorerst noch keinen Inhalt, sondern diesen holt man sich z.B. von der MEGA-Database, die man mit einem Doppelklick (im Einstiegsfenster rechts oben), in einem neuen Fenster öffnet.

Nun klickt man auf das Filterzeichen unter der Liste, wodurch das Abfragefenster erscheint, nach welchen Kriterien gefiltert werden soll.

Bei ELO gibt man nun 2400 ein und markiert "beide". Dadurch bekommt man nur Partien, bei denen beide Spieler zum Zeitpunkt der Partie mehr als 2400 ELO-Punkte hatten. Um sich eine GM-Datenbank anzulegen, nimmt man 2500 ELO-Punkte, wobei das nicht ganz genau genommen werden sollte, denn nicht alle Spieler über 2500 ELO-Punkte sind bereits Großmeister, aber darauf soll es nicht ankommen.

Nun kann man noch zusätzliche Kriterien eingeben, z.B. die Zügezahl auf 15-220 eingrenzen, damit (vereinbarte) Kurzremisen wegfallen. Lässt man nun die MEGA-Database (oder BIG-Database) filtern, so erscheint danach eine Liste mit über 300.000 Partien.

Über "Bearbeiten/alle markieren" und nachfolgendem "kopieren" werden diese Partien in den Zwischenspeicher kopiert.

Nun wechselt man das Szenario und klickt auf der Startseite mit einem Doppelklick die neue "IM"-Datenbank an, wodurch in einem neuen Fenster eine Liste ohne Einträge erscheint. Hier fügt man nun die kopierten Partien über "Bearbeiten/einfügen" ein, und schon sind die gewünschten Partien in der neuen Datenbank, die nicht extra nochmal gespeichert werden muss.

Auf diese Art lassen sich Datenbanken mit beliebigen Kriterien erstellen.

Auch einzelne zusätzliche Partien lassen sich dazukopieren. Dazu einfach in irgendeiner Liste die gewünschten Partien mit gehaltener + einem einfachen Linksmausklick jede gewünschte Partie markieren (das Markieren funktioniert wie beim Windows-Explorer), dann auf "kopieren" klicken, auf das Fenster mit der gewünschten Datenbank klicken (bzw. diese durch einen Doppelklick zuerst öffnen) und auf "Bearbeiten/Einfügen" klicken.

Workshop 2: Ein Eröffnungsbuch aus IM- und GM-Partien erzeugen

Da man schon einmal eine neue Datenbank (oder gefilterte Liste) aus IM- und GM-Partien hat, kann man auch gleich ein Eröffnungsbuch daraus erstellen.

Dazu markiert man, wie oben beschrieben, alle Partien der IM-Datenbank, und klickt dann mit der rechten Maustaste auf eine der markierten Partien, wodurch ein Menü erscheint mit dem Auwahlpunkt "Buch aus ausgewählten Partien". Die Erstellung dauert einige Zeit und danach wird das noch temporäre Buch unter einem gewünschten Namen abgespeichert. Dazu wählt man "Datei/Buch abspeichern".

Workshop 3: Partie von einer Engine analysieren lassen

Um eine vollständige Partie (ohne Untervarianten) in einem analysieren zu lassen, benötigt man Fritz 9 oder eine andere Software mit dieser Funktion, wie HIARCS 10 oder Shredder 9.

Dazu... gibt man die zu analysierende Partie ein (oder lädt sie), wählt dann "Extras/Analyse/Vollanalyse", und gibt beim erscheinenden Menü den letzten Zug ein, bis zu dem die Partie analysiert werden soll. Je nachdem, wie man die Ergebnisse der Analyse möchte, erscheinen sodann Varianten, Stellungsbeurteilungen und Texte.

Hat man keines dieser Produkte, kann man die Partie auf einem eigenen Brett von ChessBase 9 eingeben, einen Kiebitz laden und jene Züge analysieren lassen, die man möchte (indem man auf den jeweiligen Zug klickt, erscheint die Berechnung dazu). Die Quintessenz der Analyse ist jedoch in diesem Fall selbst zu überlegen und dann als Kommentar (rechte Maustaste, "Text nach Zug") einzugeben.

Oder wie wärs mit einem gesprochenen Kommentar? Dazu: Beim Zug rechte Maustaste, "Multimedia/Tonaufnahme..." wählen.

Soweit hat man bereits eine nicht übel kommentierte Partie.

Workshop 4: Meisterpartien als Untervarianten

Jetzt kommen noch die Meisterpartien als Anmerkungen hinzu. Dazu gibt man auf der Startseite bei den gelisteten Datenbanken die neue "IM"-Datenbank als Referenzdatenbank an. Um eine andere Datenbank als die bisherige zur Referenzdatenbank zu machen, klickt man diese mit der rechten Maustaste an, wodurch ein Menü erscheint in welchem es die Auswahl "Bearbeiten" gibt und hier klickt man auf das Kästchen "Referenzdatenbank".

Um nun zu einer bestimmten Stellung Meisterpartien zu finden klickt man in Fritz, Hiarcs oder anderen ChessBase-Engines rechts oben auf das Suchzeichen, das für "Stellung in Datenbank suchen" steht. Wird nun in einer anderen Datenbank als in der gewünschten gesucht, so kann man in diesem Fenter mit der Ergebnisliste mit "Datei öffnen" die gewünschte Datenbank laden und danach noch einmal die Suche starten. Dann sollten die passenden Partien der gewünschten Datenbank gelistet werden.

Alle gewünschten Partien können sodann miteinander zu einer einzelnen Partie verschmolzen werden, wobei die anderen Partien nun Nebenvarianten sind.

Um Partien miteinander zu verschmelzen werden über "Bearbeiten", "alle Partien auswählen", alle Partien markiert und mit der "Enter"-Taste fügt das Programm nun alle Partien zusammen und zeigt sie dann in einem neuen Fenster mit Brett neben diesem an. Die Kommentare bei integrierten beschriebenen Partien der MEGA-Database bleiben ebenfalls enthalten.

Man muss nicht unbedingt alle Partien verschmelzen, sondern kann auch bestimmte Partien aus der Liste auswählen. Dazu lässt sich die Partieliste nach verschiedenen Kriterien ordnen, indem man auf die jeweilige Überschrift klickt.

Das macht man zu jeder Stellung, zu der man Referenzpartien angeben möchte.

Führt man dieses Verfahren statt in Fritz in einem Brettfenster von ChessBase durch, kann man bequem die neue Funktion "Referenzpartien" dazu nutzen, bei der die passenden Partien nach jedem Zug neu gelistet werden und auch noch Statistiken und die folgenden Züge ersichtlich sind.

Workshop 5: Varianten bearbeiten

Es folgt weitere Bearbeitung - so werden als unnötig erachtete Nebenvarianten entfernt und nach Wunsch Nebenvarianten aufgewertet.

Das geht so: Man klickt mit der rechten Maustaste auf den ersten Zug einer Variante die gelöscht werden soll, wodurch ein Menü erscheint. Hier kann bequem "Variante löschen" ausgewählt werden und es werden ab diesem Zug alle Zugfolgen dieser Untervariante gelöscht.

Um eine Nebenvariante eine Ebene höher einzustufen, klickt man ebenfalls mit der rechten Maustaste auf den ersten Zug dieser Variante und wählt "aufwerten" aus. Dadurch wird nun der bisherige Hauptzug in dieser Stellung zur Untervariante und die Untervariante zur übergeordneten Variante.

Ob man nun diese Partie bereits als Datenbank abspeichert, oder sie samt allen Nebenvarianten in die eigene Partie importiert, ist wiederum eine rein individuelle Angelegenheit.

Um sie in eine eigene Partie zu importieren, die man z.B. in Fritz 9 (oder einem neuen Brettfenster von ChessBase) geöffnet hat:
Im derzeitigen Brettfenster geht man auf "Bearbeiten" und "Partie kopieren" und in Fritz (oder einem anderen Brettfenster) fügt man sie über "einfügen" sodann ein, wodurch wiederum eine Verschmelzung stattfindet - und zwar wird dabei die gesamte Variantenstruktur der einzufügenden Partie an die Struktur der Partie, in welche die Partie eingefügt wird, angepasst.

Auch bei Fritz, Shredder oder anderen ChessBase-Produkten können Varianten aufgewertet, gelöscht oder kommentiert werden.

Um die Variantenflut übersichtlicher zu machen, können eigene Kommentare (auch gesprochene) oder Diagramme für den Ausdruck eingefügt werden. Ausserdem sind Varianten auch mit einer beliebig einstellbaren Farbe (nicht mehr begrenzt auswählbar) markierbar.

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