Herbst, Daniel - Foldi, Istvan
Open Oberwart 2001 (Oberwart (Burgenland/Austria)), 2001
1.e4 c6 2.d4
d5 3.exd5
Die Abtauschvariante wurde auch von Fischer gerne gegen Caro-Kann angewandt. cxd5
4.Ld3 Sf6 5.c3
g6 6.Lf4 Sc6
7.Sf3 Lg7 8.Sbd2
O-O 9.Dc2
Nach 9.h3 könnte sich der schwarzfeldrige Läufer nach 9...Sh5 auf h2 vor dem Abtausch retten.
Weiss möchte mit 9.Dc2 hingegen 9...Lf5 verhindern - der weissfeldrige Läufer ist ja das
Problemkind beim schwarzen Aufbau. Sh5 10.Lg3
Lg4 11.O-O
Versucht Weiss durch 11.Se5 dem weissfeldrigen Läufer von Schwarz weiterhin keine Abtauchmöglichkeit
zu bieten und später mit h3 zu vertreiben, so scheitert dies an 11...Sxe5 12. Lxe5 Lxe5 13.dxe5
Dc7 und der Bauer e5 wird einkassiert. Tc8 Dieser
normal ins Schema passende Entwicklungszug zeigt auf, dass der weisse Damenzug auf c2 auch seine Schattenseiten
hat. 12.Da4 Die Dame will vor
der Drohung 12...Sb4 flüchten, hat aber keine guten Felder. Auch die Position nach 12. Db3 12...Sa5
ist nicht besonders erstrebenswert. Db6 13.Db3
Sxg3 Richtig wäre zuerst 13...Dxb3
und erst danach 14...Sxg3. 14.hxg3 14.Dxb6
wäre als Zwischenzug möglich und würde die schwarze Bauernstruktur empfindlich schwächen.
Statt 14.hxg3 käme auch das etwas riskantere 14.fxg3 in Betracht, wodurch auf den halboffenen
Linien e und f die weissen Türme ein Angriffsspiel am Königsflügel unterstützen
würden. Dc7 Ein cleverer
Zug, wobei die Folgen von 15.Dxd5 ein schwer zu berechnendes verwickeltes Spiel ergeben. 15.Sh2 Nach
15. Dxd5 erhält Schwarz nur nach 15...e5 vollwertige Kompensation. Andere Antworten sind schwächer,
etwa 15...Le6 16.Dg5 (oder De4) und Weiss hat keine Sorgen und einen Mehrbauern. Auf 15...Tfd8 ist sogar
16. De4 Lf5 17.De3 Lxd3 18. Dxd3 möglich, denn auch die Stellung nach 18...e5 19.d5 ist etwas vorteilhafter
für Weiss. Sofortiges 15...e5 ermöglicht Schwarz aber nach 16.De4 Lxf3 17.Sxf3 exd4 18.cxd4
Dd6 19.Tfe1 Tfd8 20.Tad1 Sxd4 hauchdünnen Vorteil. Der von Herbst gespielte Zug 15. Sh2 stellt
den Springer zwar schlechter, aber auch der dadurch bedrohte Läufer hat keine guten Felder und
ausserdem können durch den Läufer-Rückzug die Felder d1, e2 und f3 wieder besser genutzt
werden. Le6 16.Tfe1
a6 Ein unnötiger Zug, der sich in
Folge sogar negativ auswirken wird. 17.Dd1
Vollkommen richtig! Macht den Platz b3 für den Springer frei, überdeckt ein eventuelles
Sg4 und die Dame ist nun auf beiden Flügeln einsetzbar. Dd7 Nach
dem schwachen a7-a6 nun bereits ein schwerwiegender Fehler. Offenbar hat Foldi das Springermanöver
Sd2-b3-c5 glatt übersehen, denn Schwarz unterstützt die Wirksamkeit mit 17...Dd7 sogar noch. 18.Sb3 Da
der a-Bauer unnötig gezogen wurde, ist Sc5 jetzt nur durch das Bauernopfer b7-b6 verhinderbar.
Schwarz wählt ein anderes Übel und will zumindest den weissfeldrigen Läufer abtauschen,
wenn schon durch den dadurch erforderlichen neuerlichen Rückzug der Dame auf c7 das verlorene
Tempo Dc7-d7 eingestanden wird. Lf5 19.Sc5
Dc7 20.Lxf5
gxf5 21.Dh5 Herbst
schätzt die Lage richtig ein und wird durch die geschwächte schwarze Bauernstellung am Königsflügel
aktiv. e6 Statt dieses auf der
Hand liegenden Zuges kann Schwarz mit 21...e5 auch Verwicklungen anstreben, die allerdings Weiss die
besseren Chancen einräumen. 22.g4 Ausgezeichnet!
Der weisse Angriff kommt dadurch flott voran. Se7 22...f4
verhindert zwar Te3 und kurzfristig Sg4, aber nach 23. g5 droht Sg4-f6 umso stärker, wobei auch
nach der besten Verteidigung 23...Kh8 24.Sg4 Tg8 die weissen Aussichten gut bleiben - etwa durch 25.
g6! fg6 26. Dg5 mit hängendem Bauern e6. 22...Df4 würde zwar den weissen Angriff stoppen,
aber nach 23.gf5 Df5 24.Df5 ef5 25.Sxb7 Tb8 26.Sc5 (oder Sd6) Txb2 27.Sxa6 Tc2 (Ta8 28.Sc7 Taxa2 29.Txa2
Txa2 30. Sxd5) 28. Tec1 ist das schwarze Endspiel aussichtslos. 23.Te3
Df4 Fragwürdig, denn dadurch kann
der weisse Springer von c5 über d7 beim Angriff mitwirken. Erforderlich war 23...h6 24.g5 hg5 25.Th3
Te8 und noch schlägt der weisse Angriff nicht durch. 24.g5
h6 25.Sd7 Tfd8 Natürlich
wäre hier Dxg5 mit Eroberung eines Bauern für die Qualität - mit noch langem Kampf
- richtig gewesen. 26.Sf6+ Kf8 Wird
der Springer geschlagen, so folgt zwar eindrucksvoll 27. gf6 Sg6 28.Txe6! aber mit 28...Dg5 sieht die
Lage für den Nachziehenden noch besser aus als nach dem Textzug. 27.Sh7+
Kg8 Die Flucht über f8 ermöglicht
Weiss die Wahl zwischen mindestens 2 guten Fortsetzungen. Das schwer zu sehende 28.Tae1! mit weitreichenden
Folgen nach Txe6, oder das einfache 28.g3 Dd6 29. gxh6 Lh8 30.Sg5 Sg6 31. Sxe6 mit großem Vorteil. 28.g3 Der
burgenländische Jugendstaatsmeister führt diesen Angriff exakt wie ein Großmeister! Dd6
29.gxh6 Lh8 30.Tae1
Tc6 31.Sg5 Tf8
32.g4 Und wieder g4! Auch Shf3 würde
den Angriff entscheidend verstärken. e5 Zu
spät! Zäher wäre noch 32...Dd8, aber auch dann steht Weiss klar auf Gewinn. 33.h7+
Kg7 34.Txe5
Tc7 35.gxf5 Df6 "??"
Übersieht den folgenden weissen Zug, der sofort gewinnt. Das nötige 35...Dh6 würde
den Leidensweg von Foldi aber auch nur ein paar Züge verlängern. 36.Sg4
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