Mystik, Schach und Bananenschalen

von Gerald Berghöfer

Gefühle, Gedanken und Taten

Beginnen wir bei den Gefühlen:

Die Gefühle beeinflussen die Gedanken und die Gedanken die Tat.

Auch im Schach ist der Zug ein Ergebnis des Gefühls und der daraus entstehenden Gedanken. Dass die Gefühle den Gedanken vorgeschaltet sind, ist erst eine relativ neue Erkenntnis der Gehirnforschung, doch Mystiker wussten das schon lange.

Also auch im Schach gilt: unpassende Gefühle/Emotionen (="Untugenden?") erzeugen Fehler!

Natürlich gilt das nicht für eingelernte Varianten oder bekannten Behandlungen von Stellungen, denn wer genügend Wissen hat, macht mit (fast) jedem Gefühl den ihm bekannten guten Zug.

Verbesserung

Und hier beginnt das Sensationelle: Nicht die schlechten Züge sollten wir nach der Partie analysieren, sondern die leistungshemmenden Gefühle!

Mein letzter Verlust resultiert hauptsächlich aus Ungeduld samt Beimengung anderer Fehler, wodurch ich das Gleichgewicht verletzte - und nicht aus einem schlechten Zug. Denn dieser war nur die Folgewirkung. Wir haben uns aber angewöhnt, nur Züge zu analysieren: "Dieser Zug war nicht so gut, da hätte ich diesen spielen sollen" - und die Ursache wurde nicht beseitigt, der Fehlertyp geschieht dann eben in anderer Stellung wieder.

Es sollten aber Charakter"züge" analysiert werden.

Angst vor dem Verlieren?

Aus dem Hamburger Abendblatt:
"Was ihn von anderen Weltklasse-Großmeistern unterscheide, wurde Topalow vor der WM gefragt? "Daß ich keine Angst vor dem Verlieren habe!", antwortete er. Seine Zahl an entschiedenden Partien übersteigt gewöhnlich die der Unentschieden. Das ist bei keinem anderen in dieser konstanten Ausprägung der Fall. ... Was dem Bulgaren jahrelang fehlte, waren stabile Nerven. Die Zusammenarbeit mit einem Psychologen half ihm, auch unter Druck Höchstleistungen umzusetzen. "Ich weiß jetzt, wie ich mich unter Streß entspannen kann", sagt Topalow. In San Luis kamen bisher keine Zweifel auf, daß er neben König, Dame und Bauern auch sich im Griff habe."

Resumee: Topalov war auch schon zuvor durch sein Wissen gut, doch erst durch das Ablegen negativer Gefühle konnte er auch in jenen Stellungen Bestleistungen bringen, wo es nicht um auswendig gekonnte Züge oder Verfahren ging. Ein hervorragendes Beispiel, dass es im Schach, wie im Leben, hauptsächlich um die richtigen Gefühle geht.


Was haltet Ihr davon? Ich freue mich über Eure Meinung, schreibt sie mir!

Fortsetzung folgt.


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