Kozmo-Games:

Wizard-Chess

Im Land des Feuers

IncaGold
Rezension von Gerald Berghöfer

Wizard Chess stellt im Gegensatz zum üblichen Schach mit "toten Figuren" einen "lebendigen Kampf" zwischen zwei Fantasy-Armeen nach den Regeln des Schachs dar. Der Spieler schlüpft dabei in ein Szenario, das durch die großartige Fantasy-Musikuntermalung von Denis Borzenkov, die leiser und lauter wird, schon einiges hergibt.

Beim großen 3D-Brett, mit den animierten Fantasy-Akteuren, ändern sich, während man nachdenkt, langsam die Perspektiven. Durch die verschiedenen Hintergrundszenarien (11 zur Auswahl - Eis und Lava, über Wüste bis zur Ruine) hebt das mitsamt der Musik die Stimmung. Naja, für das rasche Nachdenken ist es nicht hilfreich, das stimmt schon, doch es gibt keine Begrenzung der Bedenkzeit, also kein Stress und eine gute Gelegenheit, die Atmosphäre wirken zu lassen. Will man dann wieder konkreter nachdenken, ist das kleine 2D-Brett rechts oben hilfreich. Die automatische Kamera lässt sich auch ausschalten, wodurch sich das 3D-Scenario nicht mehr von selbst dreht und die Nahaufnahmen nach dem Zug wegfallen. Noch interessanter wäre es, wenn man die automatische Perspektive abschalten könnte, aber die Nahaufnahmen nach dem Zug lassen könnte, also eine getrennte Option dieser beiden Features.

Zieht man dann, sieht man die Figur in Nahaufnahme gehen, fliegen (Ikarus statt Springer) oder laufen (Läufer). Das erweckt Eindruck, wenn man sich ins Scenario hineinversetzt und so ein gefährlicher Läufer angerannt kommt - das Schachspiel bekommt so ein ganz anderes Flair. Schach hing ja ursprünglich eng mit realen Kriegsschauplätzen zusammen, was man im modernen Schach mit den Einheitsfiguren nicht mehr bemerkt. Hier wird aber den Figuren wieder "Leben" eingehaucht und das Verantwortungsgefühl für sein eigenes Team steigt bei so einem Kampf. Was wohl Großmeister Rowson dazu sagen würde, der ja gerne mit seinen Figuren spricht?

Die beteiligten "fantastischen Kreaturen" sind eine Mischung aus Elfen, Gnomen, Wikingern, Skeletten, Zauberern und Hexen, und ähnlichen Typen. Das "weisse" Team sieht wesentlich freundlicher aus als die dunkle Mannschaft, wobei man beim Spielstart wählen kann, welche Seite man übernehmen will.

Wizard-Chess wird einige an Battle-Chess erinnern, das mir persönlich eigentlich nie zusagte, weil es mir vorkam, als wolle man ein Spiel unbedingt brutal machen, während mir das bei Wizard-Chess nicht in den Sinn kommt, obwohl auch Kampfhandlungen stattfinden und der ursprüngliche Name "War-Chess" (vor einem Jahr als spielschwächere Version auf dem Markt, als Entwickler wurde manchmal "XS Games Europe", dann wieder "Mayhem Studios" angegeben, die Geschichte der Entwicklung der russisch klingenden Mitwirkenden - vielleicht Hobby-Entwickler - ist also ziemlich mysteriös) hieß.

Aus diesem Spiel kann man m.E. aber doch eher lernen, dass ein Kampf brutal ist, und dass Fehler schwerwiegendere Folgen haben, als man in einer normalen Schachpartie bemerkt. Wer sich in der Fantasy-Atmosphäre hineinversetzt, der wird sich also wahrscheinlich mehr konzentrieren als sonst und wird genauer - geht es doch um Verantwortung für seine Helden. Die Simulation des Kampfes erinnert mich auch an buddhistische Mönche, die das Kämpfen lernen, um es möglichst im realen Leben nicht anzuwenden zu müssen.

Das Ende hat mystische Bedeutung: Die Mannschaft des Verlierers wird nach dem Matt von einem Wirbelwind weggefegt, was sagen will: wer Wind sät (z.B. durch der Stellung nicht entsprechende Angriffe), wird Sturm ernten. Doch keine Angst, alle Figuren erleben schon bald eine wunderbare Neugeburt für die nächste Partie und neue Chance.

Steuerung: Einige Schwierigkeiten hatte ich anfangs mit dem Ausführen von Zügen. Der Mausanzeiger wird zu einem Schwert, das bei dem PC, an dem ich das Spiel zuerst installierte, leider flimmerte. Beim einem anderen System war dies nicht der Fall. Die Figur, die ziehen soll, klickt man mit der linken Maustaste an, und das Zielfeld mit der rechten Maustaste. Aber es gibt noch eine zweite Art zu ziehen, die nur auf dem kleinen Spielfeld funktioniert, nämlich die Figur anklicken, mit der linken Maustaste halten und bis zum Zielfeld ziehen. Durch diese beiden Möglichkeiten kann es passieren, dass, so man sich mit der Maus bei Verwendung der ersten Art nach dem Linksklick zu rasch in Richtung Zielfeld begibt um dort den Rechtsklick anzubringen, man die Figur ungewollt ein Stückchen mitzieht (entsprechend der zweiten Methode) und die Figur unterwegs auf einem ungewollten Feld stehen bleibt. Das Tragische ist daran, dass es keine Möglichkeit gibt, den Zug rückgängig zu machen und spannende Kämpfe müssen dadurch abgebrochen werden. Hier wäre eine Verbesserung angebracht, doch nach einigen Partien hatte ich durch ausschließliche Nutzung der zweiten Möglichkeit (Figur auf dem 2D-Brett aufs Zielfeld hinziehen) auch so die Steuerung unter Kontrolle.

Programmierung und Grafiken sind also nicht so hochwertig wie etwa bei Majestic Chess, doch die Atmosphäre ist m.E. für Fantasy-Fans dennoch besser als in vielen technisch hochwertigen Spielen - ausserdem gibt es ja auch wenig vergleichbares Schach mit "lebenden Figuren".

Welche Engine verwendet wird, oder ob es sich um eine Eigenentwicklung von Kozmo-Games handelt, ist mir nicht bekannt. Auf höchster Stufe spielt die Engine mit einer Stärke von etwa 2050 ELO-Punkten (geschätzt) und in der Eröffnung manchmal noch stärker, denn hier setzt sie bei manchen Eröffnungen auch eine Eröffnungsdatenbank ein. Die Spielstärke ist nach unten hin beliebig regulierbar, so dass die Spannung bei der richtigen Spielstufe, die gerade noch zu schaffen ist, so man sich anstrengt, noch einmal steigt.

Weitere Features:

Analyse- und Datenbankfunktionen sind keine vorhanden, bei Wizard-Chess geht es rein um das Abenteuergefühl in einem Fantasy-Szenario und ist dafür als "Zweit-Schachprogramm" eine gute Idee.

Fazit: Wem weniger technische Höchstleistungen wichtig sind, sondern wer gerne Schach spielt und dabei einmal in eine Fantasy-Welt mit "lebendigen Akteuren" schlupfen möchte, statt nur Figuren zu ziehen, dem bietet Wizard Chess eine gute Gelegenheit, spannende Kämpfe mit seiner Mannschaft in völlig anderer Atmosphäre zu bestreiten.

IncaGold:

Wizard-Chess

Wer gerne Schach spielt und dabei einmal in eine Fantasy-Welt mit "lebendigen Akteuren" schlupfen möchte, statt nur Figuren zu ziehen, dem bietet Wizard Chess eine gute Gelegenheit, spannende Kämpfe mit seiner Mannschaft in völlig anderer Atmosphäre zu bestreiten.

Die minimalen Systemvoraussetzungen:

  • Windows 98, ME, 2000/XP
  • PIII Prozessor, 600 MHz
  • 64 MB RAM Arbeitsspeicher
  • 16-MB-Grafikkarte mit 3D-Beschleunigung
  • DirectX ab 8.1
  • mit DirectX kompatible Soundkarte
  • Tastatur und Maus
Medium: CD-ROM
Hersteller: Kozmo-Games
Erscheinungsdatum: 2005
ASIN: B000BR4L7A
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