ChessBase Monographie:

Weltmeister Capablanca

Vertrieb: ChessBase
Rezension von Gerald Berghöfer

Die CD-ROM über den ehemaligen Schachweltmeister Jose Raul Capablanca besteht aus vier Teilen:

Die Hauptbiografie behandelt zuerst seine Erfolge als Kind, wobei der vierjährige Knabe durch Zusehen das Schachspiel gelernt haben soll und gleich bei seiner ersten Partie seinen Vater besiegt haben soll. U.a. meint Euwe, die Geschichte sei aus dem Bereich der Phantasie, was Capablanca selbst zugegeben haben soll, obwohl es in Capablancas Buch - aus welchen Gründen auch immer - so veröffentlicht wurde. Auf der CD-ROM befindet sich als Ergänzung zur Betrachtung des WM-Kampfes Capablanca-Aljechin noch eine zweite, kürzere Biografie Capablancas von Robert Hübner, der ebenfalls meint, dass diese Schilderung über den vierjährigen Capablanca sehr unwahrscheinlich sei.

Die vier Teile des Inhaltes der CD-ROM stammen von verschiedenen Personen, wodurch mehrere, teils konträre Ansichten zu Capablanca und seiner Spielweise wiedergegeben werden, was mir persönlich wesentlich besser gefällt, als wenn nur eine einseitige Sicht dargebracht werden würde.

Capablanca galt jedenfalls als Wunderkind und seine Leistungen in den ersten überlieferten Partien sind beachtlich, auch wenn sie von den besten Zwölfjährigen heute sogar endspielmäßig überboten werden, denn alle heutigen jungen Meister hatten schon wesentlich mehr Training als Capablanca damals.

Capablanca sah sich keine Eröffnungsbücher an, sondern machte natürliche Entwicklungszüge und rechnete weit voraus.

Im Text zur Endspieldatenbank hebt der rumänische Großmeister Mihail Marin die besondere Fähigkeit Capablancas hervor, Mittelspielstellungen ins Endspiel zu vereinfachen. Der Teil von Robert Hübner ergänzt sich gut dazu, denn hier wird dann an der anscheinenden Perfektion Capablancas auch ein bischen gekratzt.

Durch die Betrachtung des Inhaltes der CD-ROM scheint es, als ob die Begegnung Capablancas in jungen Jahren mit dem cubanischen Meister mitverantwortlich für seine Endspielliebe war, denn in den ersten Partien kam er gegen seinen angriffslustigen Gegner im Mittelspiel kräftig unter die Räder, doch dann merkte er, dass er im Endspiel Vorteile hatte. Auf diese, seine Stärke konzentrierte er sich in der Folge immer mehr.

An diesen Partien merkt man auch, dass Capablanca seine Partien analysierte, denn er verbesserte auch seine Eröffnung während des Wettkampfes.

In der Biografie wird natürlich auch seine Zeit als Weltmeister behandelt, und dabei wird auch über seine Art und seine Gedanken eingegangen. Aufschlussreich ist ein Zitat aus der Wiener Schachzeitung, bei der beschrieben wird, dass Capablanca bei seinen Partien sehr sicher wirkt, rasch und mit Leichtigkeit spielt, und .... lächelt! Diese Ausstrahlung dürfte somanchen Gegner zermürbt haben, doch deswegen lächelte er sicherlich nicht.

Capablanca war ein angesehener Mann, und aus seinem Brief an seinen Sohn geht hervor, wie wichtig ihm (zumindest damals) Ehrenhaftigkeit war, und auch, gute Werte vorzuleben.

Seine Kunst neben dem Endspiel war das Manövrieren, weil er fast immer vor dem Gegner wusste, welche Stellung ein besseres Endspiel ergeben würde und dies durchblickten die wenigsten Spitzenspieler seiner Zeit und machten die Fehler, die Capablanca brauchte, um in ein leicht besseres Endspiel abwickeln zu können und diesen Endspielvorteil zu verwerten. Capablanca galt durch diesen Durchblick als Genie und da er in seiner besten Zeit nur eine Partie verlor, auch als fast unschlagbare "Schachmaschine". Beachtlich war die Leichtigkeit in seiner Spielweise, denn er konnte geduldig manövrieren, seine Gegner verstanden vor allem in den ersten Jahren nur selten, was er da machte.

Deswegen aber auch seine Angst vor dem Remistod des Schachs, denn durch die vermehrt aufkommende Analyse von Partien begannen auch andere Spieler zu verstehen, worauf sich der Erfolg Capablancas hauptsächlich gründete und lernten zusätzlich, die Eröffnungen erfolgreicher zu behandeln.

Hübner zeigt auch eine Analyse einer Begegnung von Capablanca gegen Aljechin in den Jahren zwischen Krieg und WM-Kampf, wie Capablanca eine Fortsetzung wählte, die nur minimalen Endspielvorteil ergibt, statt einen objektiv stärkeren Zug zu wählen. Anscheinend hatte seine Vorgangsweise, mit der er ja so viel gewann, auch große psychologische Wirkung, denn auch Aljechin schätzte diesen Zug als gut ein, wenngleich dieser auch immer mehr an der sagenumwobenenen unfehlbaren Technik von Capablanca zweifelte.

Gegen den gereiften Aljechin reichte eine derartige Vorgangsweise auch schon vor dem WM-Kampf nicht mehr und insgesamt verlor Aljechin in dieser Zeit nur eine Partie gegen Capablanca, alle anderen endeten Remis. Auch dieser Fakt wurde von Hübner sehr schön hervorgehoben, Capablanca war also bezüglich der letzten direkten Aufeinandertreffen objektiv gar nicht so haushoher Favorit, wie es Capablanca selbst glaubte, und ausserdem verlor auch Aljechin in den letzten Turnieren relativ wenig, in Bedacht seiner viel größeren Anzahl an Partien.

Dass es neben dem Talent auch für Capablanca zusätzlich wichtig war, sich auf ein Turnier vorzubereiten, zeigen sein schlechteres Abschneiden bei zwei Turnieren zu seiner Glanzzeit und beim Wettkampf gegen Aljechin, als er kaum vorbereitet war. Auch diesen weniger beachtete Umstand rund um das "Wunderkind", dem alles von alleine zuzufliegen scheint, kann man aus der Biographie ersehen. Also schon vor dem "Vorbereitungskünstler" Botwinnik war die Vorbereitung im Spitzenschach ein wichtiger Erfolgsfaktor, der durch die erfolgreiche und langjährige Vorbereitung Aljechins auf Capablanca neuen Gipfeln zusteuerte.

Dieser WM-Kampf wurde von Dr. Robert Hüber, mitsamt den Vorereignissen und den Nachwehen, behandelt und analysiert. Die von Robert Hübner teilweise kommentierten Partien zur WM sind aber nicht die einzigen auf der CD-ROM, sondern zu der Biografie gibt es vor allem noch die Hauptdatenbank mit allen verfügbaren Capablanca-Partien, von denen etwa 300 kommentiert wurden.

Wegen des nicht zustande gekommenen Retourkampfes gibt es auch zwei unterschiedliche Darstellungen auf der CD-ROM, einerseits in der Biographie, andererseits von Hübner. Die einen schelten Aljechin, Hübner verteigt ihn, jeder kann sich so eine eigene Meinung bilden.

Zuletzt noch zur Trainingsdatenbank: Aktiviert man den Trainingsmodus, so bekommt man pro Stellung ein paar Minuten, um wie Capablanca einen taktischen Schlag oder eine Kombination zu finden. Macht man einen falschen Zug, so erscheint ein Tipp, und kann wählen, ob man noch einmal die Lösung suchen will, oder ob diese angezeigt werden soll. Ein gelungenes Zusatztraining!

Fazit:

Mehrere Betrachtungen über den lt. Bobby Fischer "größten Schachspieler aller Zeiten" werden kombiniert mit analysierten Partien, Taktiktraining, einer Spezialanalyse Capablancas Stärke und einer näheren Begutachtung des WM-Kampfes gegen Aljechin. Dadurch hat man gute Chancen, sowohl dem Menschen Jose Raul Capablanca, der viel fürs Schach geleistet hat, als auch der besonderen Spielweise des Weltmeisters noch ein bischen mehr auf den Grund zu gehen - und viel daraus zu lernen.

ChessBase Monographie:

Weltmeister Capablanca

Mehrere Betrachtungen über den lt. Bobby Fischer "größten Schachspieler aller Zeiten" werden kombiniert mit analysierten Partien, Taktiktraining, einer Spezialanalyse Capablancas Stärke und einer näheren Begutachtung des WM-Kampfes gegen Aljechin. Dadurch hat man gute Chancen, sowohl dem Menschen Jose Raul Capablanca, der viel fürs Schach geleistet hat, als auch der besonderen Spielweise des Weltmeisters noch ein bischen mehr auf den Grund zu gehen - und viel daraus zu lernen.

System: Windows 98, Windows Me, Windows 2000, Windows XP
CD-ROM
Erscheinungsdatum: 2006
ASIN: 3937549404
Amazon-Preis: EUR 24,99
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