Mark Dworetski, Artur Jussupow:

Positionelles Schach

Wie man sein Stellungsgefühl trainiert

Edition Olms
Rezension von Gerald Berghöfer

Die Dworetski-Jussupow-Schule diente der Vervollkommnung begabter russische Jugendlicher - und dieses Buch stellt jenen Teil des Unterrichts dar, der sich mit der positionellen Meisterschaft befasst.

Zu Beginn - Teil 1: Die Methoden der Vervollkommnung im positionellen Spiel - soll die Frage geklärt werden, womit sich ein Schachspieler beschäftigen muss, damit er ernsthafte Fortschritte beim Positionsverständnis machen kann. Dworetski lobt hierfür einerseits Nimzowitsch, empfiehlt das Studium von Partien von starken Postionsspielern mit deren eigenen Kommentaren und erklärt andererseits Partien des starken Strategen Jussupow.

Zwischendurch finden sich interessante Ansichten des Trainers: Die Positionsspieler unterteilt er in Strategen mit logischem Denken (z.B. Botwinnik) und intuitive Spieler (wie Capablanca), wobei er meint, es gäbe in der Kreativität weitere Unterschiede - eher Angreifer oder Verteidiger und unterschiedliche Neigung zu klassischen oder weniger orthodoxen Stellungen.

Dworetski erinnert auch an ein bewährtes Verfahren für das Betrachten von positionellen Stellungen und an die Ansichten Blumenfelds über schachliches Denken, wie die Einschätzung mit der Wahrnehmung der Position verbunden ist und wie entscheidend das Erkennen der Besonderheiten in der Stellung beim Finden des besten Zuges sind.

Auch bei noch so komplexen Variantenberechnungen: Der strategischen Entscheidungsfindung liegen einfachste positionelle Operationen zugrunde und diese Grundtypen des positionellen Verfahrens werden zunächst mit von Dworetski kommentierten Partien kurz vorgestellt und im 2. Teil des Buches von Jussupow, Kossikov und Dworetski ausführlich behandelt: Verbesserung der Figurenstellung, das Spiel mit den Bauern, Abtausche und Prophylaxe.

Nach der Vorstellung der möglichen positionellen Operationen klärt Dworetski über typische Positionen und Situationen auf. Der Autor meint, es wäre nützlich zu wissen, wie starke Schachspieler in Stellungen mit ähnlichen oder gleichen Bauernstrukturen, Materialverhältnissen oder Figurenanordnungen vorgegangen sind und welche Pläne und Ideen sie hatten. Womit das Stichwort für die letzte Erklärung der Einführung über die Vervollkommnung gefallen ist: dem Plan. Dworetski erklärt, dass der Plan meist nicht so weitgehend ist, wie man es Spitzenspielern zutraut, sondern dass sie nur die Richtung abstecken. Beispielsweise wird erkannt, dass ein Angriff am Damenflügel erforderlich wäre. Einzelne kleinere strategische Operationen werden detaillierter geplant und lt. Kotow ist der Plan in der Schachpartie die Gesamtheit der aufeinanderfolgenden strategischen Operationen.

So weit der erste Teil des ersten Kapitels, der als wertvolle Vorab-Zusammenfassung für die folgenden Teile dient, und vor allem Überblick veschafft, worum es beim "positionellen Schach" eigentlich geht. Auch ein paar Übungen wurden hier eingefügt.

In den nun folgenden hochkarätigen Kapitel geht es um die angesprochenen positionellen Verfahren und typischen Stellungen, sowie um die Strategie.

Fazit:

Da die aufstrebenden Russen, die viel Wert auf gute Schachausbildung legen, mit diesem Lehrstoff zum Thema "positionelles Schach" in Richtung Großmeister trainiert wurden, kann der fortgeschrittene Vereinsspieler froh sein, nun auch bei uns so etwas Hochkarätiges zwischen die Finger zu bekommen, und in kurzer Zeit reichlich profitieren zu können.

Positionelles Schach

von Mark Dworetski, Artur Jussupow

Für Fortgeschrittene. Hochkarätiges Training, mit dem die aufstrebenden russischen Spieler vervollkomnet wurden! Alle wichtigen Elemente des Positionsspiels, wie z.B. das Lavieren, Prophylaxe oder die Transformation der Stellung werden abgedeckt.

230 Seiten - Edition Olms, Hildesh.
Erscheinungsdatum: 2000
Auflage: 3. Aufl.
ISBN: 328300322X
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