Max Euwe, Walter Meiden:

Meister gegen Amateuer

Joachim Beyer Verlag
Rezension von Gerald Berghöfer

Angenehm kartoniert liegt die aktuelle Neuauflage des Euwe-Klassikers Meister gegen Amateur vor mir. Statt reine Meisterpartien zu präsentieren, ist der Partieablauf hier recht einseitig - der Amateur macht Fehler, und der Meister gewinnt. Warum zeigt der ehemalige Weltmeister Max Euwe dann solche Partien? Ganz einfach: In Meisterpartien kommen fast nie Amateurfehler vor und deshalb wird in diesen 25 gut kommentierten Partien gezeigt, wie ein Meister die Fehler des "Amateurs" ausnutzt. Als "Amateur" gelten in in diesem Falle auch Vereinsspieler, die noch keine Meisteranwärter sind.

Durch die Erklärungen zu fast jedem Zug versteht der Lernende, warum manche verbreitete Ideen taktisch oder strategisch fehlerhaft sind, und wie er diese ab nun genauso widerlegen kann wie der Meister.

Entscheidend für einen raschen Fortschritt des "Amateurs" durch dieses Buch ist die Auswahl der Partien. Patzereien mit ganz primitiven Fehlern wurden nicht aufgenommen, sondern Euwe deckt durch geschickte Auslese alle wichtigen Themen ab, so dass die Spielstärke in etwa vom beginnenden Vereinsspieler bis hin zum relativ gut spielenden Vereinsspieler gehoben werden sollte, sofern auch sonst fleissig trainiert wird. Für danach steht Amateur wird Meister bereit.

Kinder und Jugendliche sollten vor dem Durchgehen von Meister gegen Amateur die einfachen taktischen Motive wie Gabel, Fesselung, Spieß, etc. kennengelernt haben. Dafür gibt es inzwischen ziemlich gute Bücher und Software, die speziell für Kids konzipiert wurden, z.B. Schach macht Spaß von Bodo Stark. Wichtig ist auch, dass das Kind bereits reif genug ist, intensiver über Stellungen nachzudenken, statt noch die halbe Garnitur an Figuren einzügig "einzustellen".

Zu jeder Partie gibt es eine einführende Seite, in der zusammengefasst wird, was durch die Partie gelernt werden soll, und das ist durch jede einzelnen Partie eine ganze Menge. Z.B. in Partie 3 geht es um die folgenden Themen:

Dazu gibt es noch eine zusätzliche Erklärung und zur danach präsentierten Partie ausführliche Kommentare zu beinahe jedem Zug. Alle Fragen werden dadurch natürlich dennoch nicht abgedeckt, etwa wäre es m.E. interessant gewesen, in der Partie 4 weiterzugeben, warum der Meister die Zerstörung der Bauernstruktur vor seinem König durch 8. Lxf6 zulassen würde. Doch die klar verständlichen Anmerkungen erörtern dennoch sehr viele Fragen - das wurde dadurch erreicht, dass Spielern mit der Stärke der Zielgruppe vor der Buchveröffentlichung das Manuskript gereicht wurde und ihre zusätzlichen Fragen zu den Stellungen einbrachten, deren Beantwortungen dann noch ins Buch eingearbeitet wurden.

Gleichzeitig wird mit jeder Partie auch die jeweilige Eröffnungsvariante mitbehandelt, so dass wichtige Ideen vermittelt werden und planloses Spiel immer seltener wird.

Durch die Partien wird klar, nach welchen Prinzipien ein Meister in Eröffnung, Mittelspiel und Endspiel handelt, und, man könnte fast sagen, wie "einfach" der Weg zur Spielstärkensteigerung durch Achtsamkeit, "natürliche" Züge und Kenntnisse von meisterlichen Verfahren ist.

Euwe empfiehlt, dass man die Meisterzüge verdeckt und selbst überlegt, was man an dessen Stelle spielen würde. So kostet das Erarbeiten der Partien zwar Zeit, das eigenständige Nachdenken bringt aber um einiges mehr und prägt sich auch besser ins Gedächtnis ein.

Fazit:

Einer der hervorragendsten Klassiker, der für die Spielstärke von etwa 1200-1800 ELO/DWZ gezielt vermittelt, wie die typischen Fehler des "Amateurs" ausgenutzt werden können.

Max Euwe, Walter Meiden:

Meister gegen Amateur

In 25 gut kommentierten Partien wird aufgezeigt, wie die verschiedenen Fehler der Amateure aussehen und ausgenutzt werden.

Gebundene Ausgabe - 212 Seiten - Beyer
Erscheinungsdatum: 2006
ISBN: 3888052467
Amazon-Preis: EUR 20,80
versandkostenfrei bestellen

Soft & Surf - Schach-Startseite - Bücher