ChessBase:

MEGA Database 2006 DVD

Über 3,2 Millionen Partien

Vertrieb: ChessBase
Rezension von Gerald Berghöfer

Was zeichnet eine gute Partiensammlung aus? Zuerst einmal die Quantität und Qualität der Partien, dann die Filtermöglichkeiten und anderen Features, um mit der Menge an Daten arbeiten zu können, und nicht zuletzt ist auch die hochwertige Kommentierung von möglichst vielen Partien wichtig.

Viel Arbeit steckt in der ständigen Erfassung und Korrektur von 3,2 Millionen Partien von 1530 bis 2005 - und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Menge der Partien wurde innerhalb von zwei Jahren um ca. 60.000 Partien erweitert, wobei nicht nur hochkarätige Turniere wie Linares, Sofia, San Luis, Dortmund und Beer Sheva enthalten sind, sondern auch viele regional interessante Wettkämpfe, insgesamt über 650.000 Partien aus Deutschland und auch viele Partien aus Österreich. Fernschachpartien habe ich hingegen leider keine gefunden (dafür gibt es eine eigene CD mit über 500.000 Fernschachpartien).

Wie kann man nun mit einer so großen Datenmenge umgehen? Schließlich könnte man bis zu seinem Lebensende nur einen geringen Bruchteil der Partien durchsehen. Um jene Partien oder Stellungen herauszufinden, die man benötigt, sind vielfältige Filterfunktionen nötig - und die sind beim ChessBase Reader tatsächlich sehr vielseitig! Durch virtuelle Karteikartenreiter sind unter dem Menü schon einmal die wichtigsten Zugriffsoptionen auf die Datenbank übersichtlich aufgelistet:

Das Highlight stellt aber die Filterung per Suchmaske dar. Damit lässt sich bei der Suche nach geeigneten Partien unheimlich viel kombinieren: Mindeststärke der Spieler oder nur ein bestimmter Spieler, Zeitraum, Eröffnungscode oder eine bestimmte Stellung, nur Weißsiege oder andere Partieausgänge, ein beliebiger Text, bestimmte Materialverhältnisse, oder gar Manöver, wie etwa Opfer auf f7!

Solche Funktionen sind eine äusserst nützliche Erweiterung gegenüber der Online-Datenbankabfrage. Sogleich nutzte ich die DVD, um mich auf einen meiner kommenden Vorträge, "Brennpunkt f7", vorzubereiten und ein paar interessante taktische Motive zu finden. Übrigens bin ich gar nicht der Meinung, dass nur Partien von starken Spielern nützlich sind, denn gerade zu diesem Thema suche ich (als Trainer) auch Motive zusammen, auf welche Kinder oder schwächere Spieler hereingefallen sind. Für andere Zwecke werden wiederum nur Großmeisterpartien benötigt, die sich leicht herausfiltern lassen - es sind sodann über 100.000 Partien gelistet, bei denen beide Spieler eine Stärke von über 2500 ELO-Punkte besaßen.

Je nach Suchkriterien braucht das Durchsuchen der Datenbank kürzer oder länger und sodann wird die Liste mit den passenden Partien präsentiert. Alle Listen lassen sich ganz einfach durch Linksklick auf die Spaltenüberschrift sortieren und durch Rechtsklick noch genauer einstellen. Innerhalb einer Liste finden sich zu verschiedenen Partien auch optionale Kennzeichen.

Damit Turnier- und Mannschaftsergebnisse mit den Einzelergebnissen zusammenpassen, sind auch 343 Partien mit keinem, einem oder zwei Zügen enthalten (z.B. das Nichterscheinen Fischers gegen Spasski oder vereinbarte Remisen). Sehr viele unnötige derartige Partien wurden aber sehr wohl entfernt, wodurch die Qualität der Datensammlung wiederum zugenommen hat. Natürlich gibt es bei derartig großen Datenmengen Fälle, dass bei Namensgleichheit oder unterschiedlicher Schreibweise die Partien nicht richtig zugeordnet wurden. Oder dass das Resultat falsch angegeben wird. Dabei ist aber auch anzumerken, dass schon von den Turnierorganisatoren nicht selten falsche Daten übermittelt werden bzw. manchmal auch die Spieler das falsche Ergebnis auf das Formular schreiben und dies dann abgetippt wird. Im Großen und Ganzen wird aber von ChessBase sehr viel an der Verbesserung solcher Fälle gearbeitet und wer schon einmal andere Datensammlungen gesehen hat, merkt, dass der "ChessBase Qualitätsstandard" schon recht ordentlich ist.

Hat man nun eine Liste von Partien - wie geht es dann weiter? Eine durch Doppelklick ausgewählte Partie ist in der typischen "ChessBase-Art" ansehbar - links das Brett, rechts die Varianten - bzw., so man etwas anderes wählt, entweder die Varianten in Tabellenform, oder als Trainingsmodus nur der letzte Zug, oder die Züge in Form eines Partieformulars, oder, so man bereits ein "Buch" zu einer Engine wie z.B. Fritz hat, lassen sich auch die darin zur Stellung vorhandenen Züge anzeigen.

Eine großartige Funktion ist das "Verschmelzen" von mehreren Partien, indem man sie auswählt (z.B. über "Bearbeiten" und "alle auswählen") und die Return-Taste betätigt. Das bewirkt, dass alle ausgewählten Partien als eine Art Variantenbaum neben dem Brett (das sich in einem neuen Fenster öffnet) angezeigt werden. Komentare bleiben dabei erhalten. Das klingt vielleicht kompliziert, ist es aber nicht - einfach einmal ausprobieren! Im Ergebnis sind dann jene Untervarianten, die man nicht benötigt, löschbar, individuell wichtige Varianten aufwertbar, und, so man will, weitere Varianten oder Kommentare erfassbar - vielleicht indem man zuvor eine Engine lädt und damit die Stellung analysiert.

So lassen sich nicht nur vielfältige Einblicke gewinnen, sondern das Nötige auch übersichtlich zusammenfassen, mit Diagrammen versehen und ausdrucken oder per e-mail versenden. Der kostenlos mitgelieferte ChessBase 9-Reader basiert auf dem Datenbankprogramm ChessBase 9 und kann relativ viel (ein pdf-Dokufile befindet sich auf der DVD) - hat aber als Reader u.a. keine Speicherfunktion, daher ist für fortgeschrittene Anwendungen ChessBase 9 eine wichtige Ergänzung. Alle Daten im Reader lassen sich an die Datenbanksoftware oder Engines von ChessBase übertragen.

Interessant sind auch die Statistik-Funktionen. Etwa, wie häufig und erfolgreich welche Eröffnungen unter Großmeistern waren. Dazu lässt man sich mit Hilfe der Filterfunktion die Partien z.B. von Spielern ab 2500 ELO-Punkten auflisten (für alte Partien geht das allerdings nicht, da es früher keine Wertungszahl gab), wählt alle davon aus und drückt auf den Statistik-Button. Je nach Anzahl der zu verarbeitenden Partien braucht die Berechnung nun einige Zeit und danach ist zuerst einmal zu sehen, welche Performance bei diesen Partien insgesamt mit Weiß und mit Schwarz erreicht wurde (Wusstet Ihr, dass Großmeister untereinander mit Weiß im Schnitt um etwa 100 ELO-Punkte stärker spielen als mit Schwarz?) und sodann ist pro Eco-Code-Gruppe (Jede Eröffnung hat ein bestimmtes Kürzel) abfragbar, wie häufig und mit welchem Erfolg die eine oder andere Eröffnung seit der ELO-Einführung gespielt wurde. Will man den aktuellen Stand sehen, gibt man bei der Filterfunktion das Jahr 2005 als zusätzliches Suchkriterium an.

MEGA Database

Die ChessBase Database 2006 ist in den beiden Versionen Big Database und MEGA Database erhältlich.

Der Umfang der Partiendatenbank liegt dabei jeweils bei über 3,2 Millionen, doch in der MEGA Database 2006 sind zusätzlich 60.000 Partien kommentiert! Dabei sind die Kommentare (tw. in Englisch) meist sehr hochwertig und man kann viel daraus lernen. Gefallen einem die Anmerkungen von dem einen oder anderen Spieler besonders gut und will mehr davon lesen, so reicht ein Klick, um sich die Kommentatoren auflisten zu lassen - da sehe ich auf der ersten Seite z.B. Anand mit 253 kommentierten Partien. Ein weiterer Klick auf den Namen reicht, um diese Partien gelistet zu bekommen und nun steht wiederum der Filter zur Verfügung, so man nach bestimmten Stellungen, Manövern, etc. sucht. Oder: Ein Verschmelzen der Partien bringt auf einer Seite einen Überblick, was der Kommentator von den von ihm beschriebenen Eröffnungsvarianten hält.

Die MEGA Database-DVD enthält auch das aktuelle Spielerlexikon mit über 200.000 Spielern, und deren Nation, Geburtsjahr, FIDE-Titel, Geschlecht, aktuelle ELO-Zahl (2.Halbjahr 2005) und ELO-Profil. Zu manchen Spielern gibt es auch ein oder mehrere Fotos, insgesamt sind es lt. Packungstext 26.000. Die Spielerdaten lassen sich mit ChessBase 9 oder dem ChessBase 9-Reader durch Doppelklick auf den Namen in der Liste der Spieler abrufen, doch schon in der Liste sind einige Daten zu sehen - recht hübsch machen sich die Flaggen der jeweiligen Nation des Spielers.

Fazit:

Man merkt der ChessBase Database an, dass sehr viel an ihr gearbeitet wurde - nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität hat beachtliches Niveau. Für Turnierspieler und jene, die es werden wollen, ist die ChessBase Database samt den vielseitigen Filter-, Verschmelz-, und Statistik-Funktionen des mitgelieferten ChessBase 9-Readers eine der allerwichtigsten Hilfen.

Die auf der MEGA Database 2006 zusätzlich vorhandenen kommentierten 60.000 Partien ersparen oder ergänzen somanches Eröffnungsbuch. Das Spielerlexikon wiederum hilft einerseits bei der Vorbereitung auf den nächsten Gegner, und ist andererseits durch die Fotos auch nett zum durchblättern.

ChessBase:

Big Database 2006

Die qualitativ hochwertige Schachpartien-Datenbank mit über 3,2 Mio Partien und erstklassigen Filterfunktionen.

Systemvoraussetzung: Pentium PC, 64 MB RAM, DVD-Laufwerk
Win Me/XP (der mitgelieferte ChessBase 9-Reader funktioniert nicht unter Win95, WinNT)

Medium: DVD-ROM
Verlag: ChessBase
Erscheinungsdatum: 2005
ISBN (?)
Preisempfehlung: EURO 49,99
Beziehbar u.a. online im ChessBase-Shop

ChessBase

MEGA Database 2006

Die qualitativ hochwertige Schachpartien-Datenbank mit über 3,2 Mio Partien, über 60.000 kommentierten Partien, erstklassigen Filterfunktionen und einem Spielerlexikon.

Systemvoraussetzung: Pentium PC, 64 MB RAM, DVD-Laufwerk
Win Me/XP (der mitgelieferte ChessBase 9-Reader funktioniert nicht unter Win95, WinNT)

Medium: DVD-ROM
Verlag: ChessBase
Erscheinungsdatum: 2005
ISBN 3-937549-66-8
Preisempfehlung: EURO 149,90
(UPGRADE MEGA 2006 von älteren Mega Datenbanken Euro 99,90)
Beziehbar u.a. im ChessBase-Shop

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