Don Maddox:

Die Van-Geet-Eröffnung 1.Sc3

Ein ungewöhliches Weiß-Repertoire

Chessbase
Rezension von Gerald Berghöfer

Der Autor Don Maddox sieht die Charakteristik von 1.Sc3 darin, dass man den Gegner dazu einlädt, in einer Arena zu spielen, in der Varianten weniger zählen als Positionsverständnis und Flexibilität. Das hängt damit zusammen, dass die Eröffnung noch nicht so oft gespielt wurde - so konnten für diese CD-ROM etwas mehr als 9000 Partien gesammelt werden, während z.B. zum Paulsen-System etwa 10 Mal so viele Partien gefunden wurden. Doch gerade Werke wie dieses vermehren das Variantenwissen - und so wird sich wohl in Zukunft auch bei seltenen Eröffnungen das Verhältnis hin zu mehr Wissen ändern.

Wie ist denn nun eine Eröffnung einzuschätzen, die in der Spitzenklasse nur selten vorkommt? John Nunn hat vor seltenen Eröffnungen gewarnt, die als "Geheimwaffe" angepriesen werden und bei genauer Behandlung gar nicht gut aussehen. Nun, dies ist bei 1.Sc3 nicht der Fall: Der erfahrene Fernschachspieler Maddox weist darauf hin, dass im Unterschied zum Nahschach unter der Weltelite des Fernschachs 1.Sc3 mehrfach erfolgreich eingesetzt wurde - und dass Weltklasse-Fernschachspieler die Eröffnung genau behandeln und Lücken finden würden, davon kann ausgegangen werden.

Ob nun aber 1.e4 oder 1.d4 noch stärker sind, darüber kann durchaus diskutiert werden. Maddox meint, dass im Turnierschach der Schwarz-Spieler meist versucht, in eine ihm bekannte Eröffnung überzuleiten - womit 1.Sc3 zumindest schon als gleichwertig mit 1.e4-Systemen mit folgendem Sc3 ist. Doch der Anziehende habe den Vorteil, im zuvor daseienden "Niemandsland", wie er es nennt, zu entscheiden, ob er auf die Einladung von Schwarz eingehe oder auf eine Abweichung setze. Der Autor machte auch die Erfahrung, dass durch den Übergang in bekannte Eröffnungen der Schwarz-Spieler nicht selten in Varianten kommt, die er nicht genau kennt. Für den Weiss-Spieler ist es daher vorteilhaft, nicht nur auf eigenständige Varianten zu setzen, sondern sich auch Eröffnungen anzusehen, in welche er überleiten kann - also nur keine Angst!

Der Einleitungstext auf der CD-ROM beginnt mit einer Übersicht der Erwiderungen von Schwarz im ersten Zug samt Auflistung für Weiss, mit welchem 2. Zug darauf reagiert werden könne. Als härteste, aber selten vorkommende Nuss hält Maddox 1...c5, wobei die Einschätzung, dass dies selten vorkomme, inzwischen nicht mehr zutrifft. Für 1.Sc3-Spieler ist es daher sehr wichtig, sich Gedanken zu machen, ob das Angebot, in Sizilianisch überzuleiten, angenommen werden soll, oder eine Alternative angeeignet wird, wobei sich allerdings gute Schwarz-Spieler meist ebenfalls bereits mit diesem Thema auseinandergesetzt haben. Für die zweitgenannte Möglichkeit gibt es auf dieser CD-ROM mehrere Anregungen, will man hingegen in Sizilianisch umleiten, so sollte man sich hierfür zusätzliches Material zulegen, denn mit "Naturkönnen" alleine kommt man bei Sizilianisch meist nicht weit, von Ausnahmekönnern abgesehen. Der Autor weist diesbezüglich auch darauf hin, dass die Statistik für 1.Sc3-Spieler, die in Sizilianisch umleiten, schlechter ist, als für 1.e4-Spieler.

Die CD-ROM verschafft also einen guten Überblick, doch wie sieht es mit tiefergehendem Wissen aus? Hier kann der Autor mit dem Know-How, wie es etwa auf der CD-ROM zum Paulsen-System weitergegeben wird, nicht mithalten. Es sind auch nur sechs Partien von ihm in der Datenbank, die tiefergehende praktische Erfahrung mit dem System und auch die Spielstärke hält sich in Grenzen.

Zu den Einführungstexten werden auch jeweils Links zu passenden Musterpartien geboten, wobei die Partien mit dem auf allen Chessbase-Eröffnungs-CDs enthaltenen Reader mit großem Komfort angesehen werden können - und nicht nur das, auch Engines sind einbindbar, um die vor sich befindliche Stellung auch gleich zu analysieren. Von den kommentierten und auch unkommentierten Partien ist also dennoch einiges zu lernen. Einige hochwertige Analysen stammen sogar von Van Geet.

Das Training enthält 99 Stellungen und beginnt gleich bei der ersten Stellung mit einer fragwürdigen "Lösung", denn hier kommen mehrere Züge in betracht.

Fazit:

Die CD-ROM über die Van-Geet-Eröffnung eignet sich gut, um einen Überblick über die Varianten zu bekommen und auch, um sich selbst ein Repertoire zusammenzustellen. Starke Spieler werden von den zu wenig tiefgehenden Erklärungen des Autors zwar keinen Profit haben (wohl aber von den anderen Vorzügen der CD-ROM), aber für Spieler bis zu einer Stärke von etwa 1900 ELO-Punkten sind die Hinweise gut brauchbar. Die Veröffentlichung auf CD-ROM bietet durch die Hyperlinks, Engine-Einbindung und Partiensammlung die üblichen zusätzlichen Vorteile gegenüber einem Eröffnungsbuch.

Don Maddox:

Die Van-Geet-Eröffnung 1.Sc3

Ein ungewöhliches Weiß-Repertoire

Mit 1.Sc3 kann man sowohl ausgetretene Pfade vermeiden, als auch durch Zugumstellung in Varianten gelangen, in denen der Gegner nicht sattelfest ist.

System: Windows 98, Windows Me, Windows 2000, Windows XP
CD-ROM
Erscheinungsdatum: 2005
ASIN: 3937549404
Amazon-Preis: EUR 19,99
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