Chessbase:

Fritz 9

Das ganz große Schachprogramm

Vertrieb: NBG
Rezension von Gerald Berghöfer

Die beliebte Fritz-Schachsoftware geht in die neue Runde, und es wurde mit Spannung erwartet, wie auf die Vorstöße der sehr spielstarken Shredder 9 und Fruit 2.2 (nun kommerziell) reagiert wird.

Nun, ein wesentlicher Punkt bei den Spitzenschachprogrammen ist sicherlich die Spielstärke. Kann es dem Hobbyspieler egal sein, ob das Programm noch 100 ELO-Punkte zusätzlich aufweist oder nicht, so sind für die Spitzenspieler schon kleinere Unterschiede wichtig, kann doch u.U. dadurch eine ganze Variante anders bewertet werden.

Wie sieht es nun mit der Spielstärke von Fritz 9 aus? Es wurden bereits von vielen Seiten eifrig Wettkämpfe durchgeführt und je nach Bedingungen liegt Fritz meist tatsächlich wieder vorne! Doch durch die hohe Spielstärke mehrerer Engines ist es wichtig zu merken, dass manche Stellungen der einen Engine besser "liegen", während andere Stellungen wiederum andere Engines besser behandeln. Die höhere Wertungszahl sagt lediglich aus, dass mehr Stellungen besser behandelt werden und nicht, dass bei allen Stellungen das derzeitige Non-Plus-Ultra in der Variantenberechnung erscheint.

Ein großes Plus bei Fritz und auch anderen Chessbase-Produkten ist daher, dass weitere Engines eingebunden werden können. Und zwar sowohl Freeware-UCI-Engines wie Fruit (Freeware bis Version 2.1) oder Spike, als auch andere gekaufte Produkte, wie etwa Shredder.

Fritz ist aber nicht nur für die Spitzenspieler gedacht, und so wird das Paket rund um die Engine immer attraktiver. Zuerst einmal ist wichtig zu wissen, dass die starke Engine auch "gedrosselt" werden kann, so dass für die große Mehrheit der Spieler mit geringerer Spielstärke spannende Partien mit Forderung statt Überforderung zustande kommen. Fritz 9 bietet hier alle Erleichterungen und Hilfen wie "Fritz for Fun", dem günstigeren Fritz für Einsteiger. Eigentlich reicht für Einsteiger und mäßig fortgeschrittene Spieler "Fritz for Fun" vollkommen, wer aber in der Familie Spieler verschiedener Spielstärken hat, der bekommt mit Fritz 9 eine Software für alle. Die identen Hilfen für Einsteiger, inkl. Video-Trainingskurs für Anfänger, sind beim Bericht über "Fritz for Fun" näher beschrieben.

Der Aufbau der Benutzerführung von "Fritz 9" ist gegenüber den letzten Versionen und auch gegenüber einigen anderen Chessbase-Produkten gleich geblieben. So findet man auch bei neuen Features rasch, was man sucht.

Was bietet "Fritz 9" für fortgeschrittene Spieler, die sich verbessern wollen?

Integriert sind Trainings für Eröffnung, Taktik und Endspiel. Für die Trainierenden ist hierbei der Umfang angestiegen, wenngleich es zusätzlich auch noch eine Menge spezieller Erweiterungen zu erwerben gibt.

Weiters: In mehreren Videolektionen werden Ausschnitte aus deutschsprachigem Meistertraining und englischsprachigen Kursen geboten. So gibt es z.B. einen 17-minütigen Ausschitt aus "Garry Kasparov - How to play Najdorf" und einen Verweis, wo man die DVD zum Thema mit mehr als 2 Stunden Video bekommt. Insgesamt summieren sich die Ausschnitte aber dennoch zu einem beachtlichen Umfang, wenngleich sie auch dazu dienen, dass man Lust auf mehr bekommt. Es erinnert an Shareware oder spielbaren Demos von Spielen, die allerdings kein Vollprodukt sind und auch nicht so beworben werden sollten. Dennoch kann man froh sein kann, dass man sie bekommen hat und auch hier ist der zusätzliche Informationsgehalt durch die Videos schon recht beachtlich.

Die Anpassung der Engine an die Spielstärke des Nutzers von Fritz 9 (Wertungspartie) ist auch für die Vereinsspieler eine wichtige Motivation. Überdenkenswert ist dabei allerdings die Anzeige, dass es um (virtuelles) Geld ginge, samt der voreingestellten Option mit "Kontra/Re" zu spielen. Das rückt Schach in eine Ecke, aus der es längstens heraus sein sollte und Eltern gefällt es sicherlich nicht, wenn sie ihre Kinder zu einem edlen Spiel bringen wollen, ihnen "Fritz" kaufen, und dann sehen müssen, wie sie lernen, virtuell zu zocken.

Eine wichtige Hilfe sind die Features für die Analyse von Partien.

Der Aufhänger der neuen Version, "Der Schach-Türke - die Legende lebt!", soll an die Parallelen erinnern, wie zur Zeit Maria Theresias der "Urahn der Schachcomputer", der Schach-Türke, eine vorgetäuschte Schachmaschine, eine ähnliche Hürde für die Schachspieler darstellte wie heute "Fritz".

Wer Abwechslung wünscht: Fritz kann auch Räuberschach und Fischer-Random-Chess mit ausgeloster Figurenanfangsstellung, das sich jetzt offiziell "Chess960" nennt.

Hat man einmal keinen Schachfreund zur Hand, deckt Chessbase mit Produkten wie Fritz aber auch das Bedürfnis ab, gegen menschliche Gegner spielen zu können - nämlich ein Jahr lang gratis (ausser eigenen Providerkosten) über das Internet auf schach.de auf eine Menge von SchachspielerInnen zu treffen. Neuerdings wird hier auch ChassBase-TV ausgestrahlt, natürlich ebenfalls mit Fritz empfangbar.

Fazit:

Fritz übernimmt mit der neuen Version wieder die Führung - und zwar sowohl in der Spielstärke, als auch bei den beigegebenen Trainings- und Lehrkursen. Auch der Leistungsumfang auf schach.de ist gewachsen, auf welchen u.a. mit Fritz zugegriffen werden kann.

Chessbase:

Fritz 9

Das sprechende Schachprogramm

Neuerliche Spielstärkensteigerung, umfangreiche Video- und andere Lehrgänge, zahlreiche Funktionen auch für (noch) weniger spielstarke Spieler, Zugang zu Online-Schach und viele weitere Funktionen machen die neue Fritz-Version für Spieler aller Spielstärken interessant.

System: Windows 98 SE, ME, 2000, XP, Pentium II ab 300 MHz, 64 MB RAM, DVD-Laufwerk
Medium: DVD
Vertrieb: NBG EDV Handels & Verlags GmbH
Erscheinungsdatum: 2005
ISBN: 3937549420
Amazon-Preis: EUR 49,99
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