Joe Gallagher:

365 Wege zum Schachmatt

Ein erfahrener Großmeister fordert Sie mit 365 lehrreichen Aufgaben heraus

GAMBIT Publications
Rezension von Gerald Berghöfer

Der englische Großmeister Joe Gallagher hat schon mehrere Schachbücher geschrieben, vorwiegend zum Thema Eröffnungen. Da er selbst gerne Rätsel löste, wollte er sich nun auch auf diese Thematik wagen, ist im Vorwort zu lesen. Bei einem Autor, der viele Bücher auf den Markt bringt, bin ich zunächst vorsichtig, ob denn auch die Qualität passt, und um dies zu überprüfen, sind meist auch die Worte im Vorwort erkenntnisreich. In diesem Falle ist sodann auch rasch erkennbar, das der Großmeister nicht andere Kombinationsbücher kopierte, sondern sich viele Gedanken über einen sinnvollen Aufbau des Buches machte und seinen eigenen Stil einbrachte.

Es geht ausschließlich um Motive mit Angriff auf den König, wenngleich dieser manchmal nicht durch Matt, sondern (wie auch in der Praxis) durch entscheidenden Materialgewinn ausklingt. Jedes Rätsel wird mit einem Text eingeleitet, der aufzeigt, in welche Richtung es gehen soll. (Wer gerne noch ausführlichere Einleitungen und Geschichten rund um eine entscheidende Stellung hat, sollte sich Schach Knockouts ansehen.)

Ist die Lösung zu schwer zu finden, ist der Hinweis auf die Seite mit einem Tipp hilfreich, und will es immer noch nicht "Klick" machen, so geht es ab zur angegebenen Lösungsseite. Ausserdem ist ersichtlich, zwischen wem, wo und wann die Stellung aufs Brett kam, was zeigt, dass es sich um praxisnahe Rätsel handelt und auch weitere Recherchen erlaubt, so man die vorangegangenen Züge nachvollziehen möchte.

Die Zahl "365" im Titel steht dafür, dass ein Jahr lang für jeden Tag eine Aufgabe vorhanden ist - der eine mag dies passend finden, um das Buch auf der Toilette zu deponieren, um bei seiner täglichen Sitzung auch das Haupt anzustrengen, der andere beginnt den Tag damit, sein Gehirn mit einem Rätsel aufzuwecken und für den dritten sind die Rästel so schwer, dass schnell Erschöpfung und Schlaf eintritt, hierbei ist das Buch eher als Nachtlektüre zu empfehlen.

Da es zahlreiche Kombinationsbücher auf dem Markt gibt, stellt sich immer wieder die Frage, ob es auf die Anzahl der Aufgaben ankommt. Nun, Gallagher meint z.B. dass es nicht so viele Mattmotive gäbe, höchstens in abgewandelter Form. Wer also alle Themen kennenlernt und in der Partie genügend assoziieren kann, der braucht m.E. nicht tausende Rätsel mit leichten Abwandlungen zu lösen und täte besser daran, sich auf anderen Gebieten zu üben. Aber hierzu gibt es auch andere Meinungen.

Die Ordnung der Aufgaben geschah nicht nach Themen, sondern nach nach 5 Schwierigkeitsstufen, damit die Lösung nicht zu leicht wird, wenn man schon weiß, wonach man suchen soll - das wäre lt. Gallagher eine zu große Abweichung von einer praxisnahen Vorgangsweise, da ohnehin schon klar ist, dass es sich um einen Königsangriff handelt. Als Ausgleich erfolgt im Anhang das Glossar mit Themenindex, bei dem die Motive erklärt werden, ergänzt durch wichtige Beispielnummern aus den Rätseln im Buch.

Nach den Aufgaben der 5 Level erfolgen die drei Tests, die jeweils 15 Aufgaben enthalten. Hier gibt es keinen einleitenden Text mehr, sondern nur die jeweilige Aufgabe, wie "Weiß setzt in 5 Zügen Matt" und keine weiteren Hinweise. Wer seine "Mattsetzkraft" herausfinden möchte, dem steht eine kurze Anleitung zur Vorgangsweise zur Verfügung, sowie die Ergebnistabelle.

Für künftige Ausgaben wäre noch eine Spezialauswertung wünschenswert, um zu sehen, bei welchen Motiven man eher schlecht abschnitt, um diese gezielt üben zu können. Leider ist auch der Themenindex für eine eigene Spezialauswertung nur teilweise verwendbar, da dieser nicht vollständig ist.

Für welche Spielstärke ist das Buch brauchbar? Für Anfänger sind die Rätsel selbst in Level 1 zu schwer, nach der absoluten Anfängerlektüre wäre z.B. Chandlers Erfolg im Schach eine passende Vorbereitung, da darin die 50 wichtigsten Mattmotive vorgestellt werden.

Ach ja, für Rätsel Nr. 320 (Level 5), bei dem mit Springer und Läufer (und König) der alleinstehende König mattgesetzt werden soll, ist auch ein Endspielbuch nützlich.

Da der Schwierigkeitsgrad ansteigt, sind die Rätsel etwa ab Vereinsspielerniveau lösbar, wobei Großmeister Joe Gallagher meint: "Wenn Sie ein erfahrener Vereinsspieler sind, würde ich erwarten, dass Sie in der Lage sein sollten, die meisten Aufgaben in Kapitel 1 und 2 recht schnell und ohne Brett und Figuren zu lösen. Wenn Sie zum Kapitel 3 kommen, werden die Dinge allerdings ein wenig komplizierter, und wenn Sie das gesamte Kapitel 5 vom Blatt lösen können, sind Sie ein besserer Spieler als ich!" Durch die Hilfestellungen sind aber auch diese schwierigen Aufgaben für die nicht so starken Spieler nicht unlösbar und ausserdem besteht so die Herausforderung, jeden Tag etwas besser zu werden.

Das Layout des relativ großen Taschenbuches ist sehr übersichtlich, es befinden sich jeweils drei Aufgaben auf einer Seite, daneben der Einleitungstext - und bei den Tests i.d.R. sechs Diagramme auf einer Seite. Da die deutsche Ausgabe aus über 220 Seiten besteht, die englische, die ich nicht kenne, lt. Angaben aus 160 Seiten, dürften die Layouts nicht ident sein.
Dass Aufgaben, Tipps und Lösungen an drei verschiedenen Stellen sind, mindert den Drang, sofort auf die Lösung zu gucken.

Fazit:

Joe Gallagher bietet eine gelungene Zusammenstellung von 365 Mattangriffen, die er fürs Üben nach steigenden Schwierigkeitsgraden anordnete. Praxisnahe Tests, ein Glossar und ein angenehmes Layout sind weitere positive Merkmale des Buches.

Joe Gallagher:

365 Ways to Checkmate

Englische Ausgabe

Joe Gallagher bietet eine gelungene Zusammenstellung von 365 Mattangriffen, die er fürs Üben nach steigenden Schwierigkeitsgraden anordnete. Praxisnahe Tests, ein Glossar und ein angenehmes Layout sind weitere positive Merkmale des Buches.

Sprache: Englisch
Taschenbuch - 160 Seiten - Gambit Publications Ltd
Erscheinungsdatum: 2004 (engl. Ausgabe)
ISBN: 1901983951
Amazon-Preis: EUR 23,50
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