Wie schon erwähnt, ist Schach nur scheinbar ein Kampf gegen einen Gegner,
doch der wahre Gegner sind eigene Fehleinstellungen und Schwächen.
Die mentale Seite spielt die entscheidende Rolle, wenn man den Stellungstyp zu wenig kennt und man schwierige
Probleme selbst zu lösen hat. So gilt es alles gelassen hinter mir zu lassen, was mich daran hindert, tief konzentriert die
verborgenden Geheimnisse der Situation klar wahrzunehmen. Denn mein Gehirn filtert z.B. bei Angst sofort wesentliche Teile der Wirklichkeit aus.
Oder hab ich eine Abneigung (eine Form des Hasses) gegen eine erreichte Stellung, so wird wiederum gefiltert.
Ebenso vernebelt Gier (nach einer Figur oder auch nach dem Punkt!) die klare Wahrnehmung und es gibt
noch einige weitere hinderliche Emotionen, die folgerichtige Gedanken verhindern..
Auch Müdigkeit oder Stress, Überlastung ausserhalb der Schachpartie spielen eine entscheidende Rolle.
Viele heutige Supergroßmeister haben neben großer Fachkenntnis und Praxis auch eine ziemlich große Gelassenheit und Freundlichkeit.
Topalov hatte früher Probleme mit der Angst und machte eine Psychotherapie, wodurch er stärker wurde - dennoch scheint Anand ihm diesbezüglich
voraus zu sein und bei deren Zweikampf war Topalov bezüglich eingelernter Eröffnungen gut vorbereitet (mit der Vorabversion von Rybka),
aber spielerisch war Anand besser und blieb Weltmeister. Dennoch haben sie eine gewisse Verkrampfung, weil der Wettkampferfolg i.d.R. eine
hohe Priorität in ihrem Leben hat.
Besser ist es, Schach für die eigene Entwicklung zu nutzen.
Durch Schach kann man, so man daran Interesse hat, sich sehr gut kennenlernen
(Artikel: Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung).
Es gilt, über Emotionen und deren Einflüsse Bescheid
zu wissen, sodann bei einer Schachpartie, in der man leicht an seine Grenzen gerät,
bewusst die aufkommenden Emotionen in verschiedenen Situationen der Partie
zu bemerken, und sich zu wundern, wie viel Arges man eigentlich in sich hat ;-)
Durch diese wache Gefühlswahrnehmung und der Analyse danach, welche guten Möglichkeiten
man wodurch überhaupt nicht wahrgenommen hat, oder eine Abneigung hatte, sie näher zu untersuchen oder sie zu oberflächlich schablonenhaft
oder völlig irreal einschätzte, kann man dann an sich arbeiten. An der Wurzel, am Gefühl.
Will man dies, so sollte man in sich lieber die gute Alternative wollen - so bekämpft man die Schwächen am besten.
|